Corona in Tansania: Gefahr für das Bildungssystem

/, Politik/Corona in Tansania: Gefahr für das Bildungssystem
Bild von Arek Socha auf Pixabay

Corona in Tansania:

Gefahr für das Bildungssystem

 

Coronavirus: Lage in Tansania

Offiziell wurde der erste Coronavirus-Fall in Tansania Mitte März gemeldet, knapp einen Monat später betrug die Zahl der Infizierten 284 Personen sowie zehn an der Krankheit verstorbene Menschen (worldometer, Stand: 23. April 2020). Aufgrund des Gesundheitssystems in Tansania dürfte die Dunkelziffer jedoch deutlich höher sein, gerade in den ländlichen Gebieten war die medizinische Versorgung bereits vor dem Ausbruch des Virus schlecht.

 

Maßnahmen der Regierung

Hier die wichtigsten Maßnahmen der tansanischen Regierung auf einen Blick (Quelle: Städtepartnerschaft Hamburg – Dar es Salaam):

  • Eine große Aufklärungskampagne über Corona, Verbreitungswege und Vorbeugungsmaßnahmen hat begonnen.
  • alle Großveranstaltungen sind abgesagt, von Sport bis Hochzeiten und Bars geschlossen
  • alle Schulen und Universitäten geschlossen
  • die Union der Länder des südlichen Afrikas (SADC) wollen gemeinsam Corona bekämpfen, und unter anderem gemeinsam en bloc die benötigten Medikamente und medizinischen Materialien einzukaufen, um bezahlbare Preise zu erzielen. (Tanzania News, Dar es Salaam, 20.03.2020)

„Social Distancing“, also das physische Abstand halten und zu Hause bleiben, ist in Tansania jedoch nur schwer möglich: Oft leben Familien auf sehr engem Raum zusammen oder müssen schlicht ihre Wohnung verlassen, um zu überleben. So schilderte es Anfang April auch die tansanische Start-up-Gründerin Mariatheresa Kadushi gegenüber Spiegel Online: „Ihr Lebensunterhalt hängt vom täglichen Einkommen ab. Wenn sie nicht arbeiten können, wird am Ende sogar das Geld für Wasser fehlen, das viele täglich kaufen müssen.“ Daher stelle sich für die Betroffenen oft die Frage, was schlimmer sei: Zu verhungern oder das Risiko, sich mit einem unsichtbaren Virus zu infizieren. Da rund 85 Prozent der tansanischen Bevölkerung im informellen Sektor oder einem prekären Beschäftigungsverhältnis arbeiten, verfügen sie zudem über keine Krankenversicherung.

 

Einfluss auf das Bildungssystem

Seit Mitte März sind alle Bildungseinrichtungen (Kindergärten, Schulen, Universitäten) auf unbestimmte Zeit geschlossen. Dies betrifft auch unsere Partnerschulen, so dass unsere Stipendiat*innen seit mehr als einem Monat keinen Zugang zu Bildungsangeboten haben. Wann und wie die Schule weitergeführt wird, was die Situation für die Abschlussprüfungen bedeutet – all das ist noch nicht bekannt. Wir stehen im stetigen Kontakt mit unserer Partnerorganisation TAI Tanzania, um die weiteren Schritte zu besprechen.

Die derzeitige Lage stellt nicht nur kurz- sondern auch mittelfristig eine Gefahr für das Bildungssystem in Tansania dar. Seit 2016 ist Dank eines neuen Gesetzes der Besuch von öffentlichen weiterführenden Schulen bis einschließlich der 11. Klasse kostenlos. Durch die Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage fehlen dem Staat Steuereinnahmen, die zur Finanzierung der staatlichen Ausgaben benötigt werden. „In Tansania besteht somit die ganz akute und reelle Gefahr, dass die Erfolge der letzten Dekade in der Reduzierung relativer Armutsquoten durch die negativen Auswirkungen des Coronavirus und eine langfristige globale Rezession gebremst, möglicherweise gar rückgängig gemacht werden“, schreibt Andreas Quasten, Leiter des  Büro der Friedrich-Ebert-Stiftung in Tansania, in vorwärts. Diese Warnung könnte auch einen potenziellen Rückschritt in der Bildungspolitik des Landes umfassen und Tansania um Jahre zurückwerfen. Schon heute besuchen nur 23 Prozent der Schüler*innen eine weiterführende Schule, mit einer Rückkehr der Schulgebühren würde diese Zahl noch einmal erheblich sinken.

Wir appellieren daher an die Solidarität aller: Die derzeitige Lage darf nicht dazu führen, dass die Erreichung der Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen aus dem Fokus geraten!