Vermittlung von interkultureller Bildung

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Einreisestopp für Muslime aus sieben Ländern in Amerika, mittlerweile wurde es von Gerichten wieder gekippt. Diskussionen über Flüchtlinge und den Islam in Deutschland. Und laut einer Studie schätzen noch immer zehn rund Prozent den Einfluss von Juden in Deutschland als hoch ein (Heinrich Böll Stiftung, 2016). Sowohl in Deutschland als auch in anderen Ländern der Welt (Frankreich, England, Amerika) werden interkulturelle Differenzen innerhalb der Gesellschaft in den letzten Jahren immer mehr an die Oberfläche getragen.

Seitdem wir unser Projekt OCULAR im letzten Jahr entwickelt und erstmals umgesetzt haben beschäftige ich mich vermehrt mit dem Thema Kultur. Besonders in Sozialen Medien wie Facebook scheint es nur noch ein Schwarz-Weiß-Denken zu geben: Entweder du bist für Vielfalt oder dagegen. Eine Auseinandersetzung, was Vielfalt und Interkulturalität jedoch bedeuten, bleibt vielfach in den Kommentarspalten und Diskussionen außen vor. Kultur ist gleich Religion – Punkt. Kenne ich deine Religion weiß ich, wer du bist und wie du dich verhältst.
Doch das ist so nicht richtig. Kultur sind nicht nur länder-, regions- oder religionsbezogene Verhaltensweisen, sondern vielmehr als die Wahrnehmungen, Denkmuster und das Handeln des Einzelnen zu verstehen. Durch den Erziehung und Prägung des Umfeldes verdichten sie sich zu einem Selbstbild, einer eignen und gelebten Kultur. Interkulturalität bedeutet dann, sich für die kulturellen, sprachlichen oder religiösen Verschiedenheiten der Mitglieder einer Gesellschaft zu sensibilisieren und diese zu respektieren. Doch:

Wessen Aufgabe ist interkulturelle Bildung?
Klassisch sagt man, dass das Elternhaus dafür zuständig ist, einem Jugendlichen die Lebenspraxis zu vermitteln. Umgangsformen, Bürokratie und Co. Die Parteien sind laut Grundgesetz (Artikel 21) für die politische Willensbildung zuständig. Aber wer vermittelt das Thema Interkulturalität? Aus meiner Sicht eine schwierige Verortung. Familie und Freunde können dies nicht leisten, da sie mit ihrer Erziehung den kulturellen Kontext eines Menschen bereits stark prägen und daher die Thematik nicht auf einer Metaebene reflektieren können. Den Schulen schreibt man in der Literatur eine Qualifikations- und Integrationsfunktion zu (Hintz et al., 1993, S. 118) und somit die Aufgabe, Kinder und Jugendliche aus das spätere gesellschaftliche und berufliche Leben vorzubereiten. Schließt dies auch die interkulturelle Bildung mit ein? Eine gute Frage, die wohl Auslegungssache ist. Ich zumindest habe in meiner Schulzeit keine Kurse oder Projektwochen gehabt, die sich ernsthaft mit dem Thema Kultur (ja Kultur, nicht Religion) auseinander gesetzt haben. Unser OCULAR-Projekt ist für uns, natürlich, eine logische Konsequenz aus dieser Erkenntnis gewesen. Wir wollten damit direkt an Schulen, Bildungsträger und andere Gruppen heranantreten, um auf die Thematik hinzuweisen.

Aber was meint Ihr: Wessen Aufgabe ist die Vermittlung von interkulturellen Kompetenzen?
Wir sind gespannt auf Eure Meinung!